NERUDA/Sommerhalder Konzert Es-dur Partitur und Stimmen


NERUDA/Sommerhalder Konzert Es-dur Partitur und Stimmen

Artikel-Nr.: MN 30106
105,00
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Instrumentation: Horn (Trumpet), Strings and B.c.
Range: b flat  b'' flat
Difficulty (I-VI): IV
Parts for MN 30106: Horn in E flat or B flat alto, Trumpet in E flat or B flat
Series: Facets of Brass
Editor: Max Sommerhalder

Das vorliegende Concerto in Es-dur für Horn, als Trompetenkonzert weltbekannt geworden, wird allgemein Johann Baptist Georg Neruda zugeschrieben (n.b. der Familienname wird auf der ersten Silbe betont; die tschechischen Vornamen Jan Křtitel Jiří wurden weder von Neruda selbst noch in zeitgenössischen Quellen verwendet). Seine Urheberschaft ist höchst wahrscheinlich, wenn auch nicht restlos gesichert, da das Hornkonzert in den Verzeichnissen seiner Werke fehlt und das Manuskript keinen Vornamen nennt. Theoretisch käme auch etwa ein Jan Chrysostomus Neruda (1705-1763), Geiger, Mönch und Kirchenmusiker in Prag, als Komponist in Frage. Doch von ihm sind sonst keine Werke überliefert, während Johann Baptist Georg „eine Unmasse Sinfonien, Violinkonzerte, Trios u. a.“ l geschrieben haben soll, dazu ein Salve Regina und gar eine Oper Les Troqueurs. Sechs Sonaten für zwei Violinen und Generalbass erschienen 1764 bei Breitkopf und Härtel zu Leipzig im Druck.Johann Baptist Nerudas Biographie liegt zur Zeit noch weit- gehend im Dunkeln. Geburts- und Todesjahr sind urkundlich bisher nicht belegt. Laut Moritz Fürstenau, dem Chronisten der Dresdner Hofkapelle, wurde Neruda 1710 in Prag geboren.  Nach dem Lexikon des Gottfried Johann Dlabacž  soll der Komponist „um das Jahr 1780 im 74. Jahre seines Alters“ verstorben sein. Daraus ist die oft zu lesende Geburtsangabe „um 1707“ errechnet worden. Als Geburtsort nennt Dlabacž „Rossicz in Böhmen“. In den Taufregistern beider in Frage kommender  Ortschaften  (nahe  Pardubice)  erscheint  der Name jedoch zwischen 1706 und 1710 nicht. Ob das mährische Rossitz (Rosice) bei Brünn in Frage kommt, ist nicht geklärt.

Verbürgt ist einzig, daß Neruda 1750 als Geiger in die kurfürstliche Kapelle zu Dresden engagiert und 1772 dort pensioniert wurde. Nach Fürstenaus Chronik war Neruda allerdings in Dresden nie Konzertmeister, wie seit Richard Engländer5  oft zu lesen ist, sondern Cammer-Musicus, der sich als fleißiger und geschätzter Komponist von Kirchenmusik ein Zubrot verdiente. Nach Dlabacž soll Neruda seine Ausbildung zum Geiger in Prag erhalten und einige Zeit im dortigen Theaterorchester mitgewirkt haben, bevor er nach Dresden ging.


Die Quelle

Einzige Quelle für Nerudas Hornkonzert ist eine zeitgenössische Stimmenabschrift mit dem Titel CONCERTO / à / Corno Primo / 2 Violini / Alto Viola / Con Basso / Del Sig: Neruda. Sie stammt aus der Bibliothek des Zisterzienser- klosters Ossegg (Osek) bei Teplitz-Schönau (Teplice) in Nord- böhmen und wird im Tschechischen Nationalmuseum zu Prag unter der Signatur XXXII-A-52 verwahrt. Das Manuskript, wohl von Kopistenhand, wimmelt dermaßen von unberichtigten Fehlern, dass die Frage zulässig ist, ob das Werk aus diesen Stimmen jemals – oder mehr als einmal – aufgeführt wurde.


Die Musik

Aufgrund stilistischer Merkmale ist die Entstehung von Nerudas Hornkonzert um die Mitte des 18. Jahrhunderts anzusetzen – eher davor als danach. Das Werk folgt getreu dem vivaldischen Concerto-Schema. Nerudas extreme Homophonie ist typisch für den galanten Stil. Die Violinen werden oft unisono, die Bratschen col basso geführt, was einen transparenten, mitunter geradezu kargen Satz ergibt. Durch unvollständige Akkorde  entsteht  vielerorts  eine  beabsichtigte harmonische Mehrdeutigkeit, welche das Aussetzen eines Basso continuo zur diskutablen Interpretationssache macht. Da sich in Nerudas Stil schon die Abkehr von der General- basspraxis ankündigt, ist eine Aufführung ohne Tasteninstrument vertretbar, obschon die Mitwirkung eines solchen in Nerudas Umfeld noch die Regel gewesen sein dürfte. Typisch für Nerudas Stil sind auch Querstände und häufige Sekundreibungen, die keinesfalls „entschärft“ werden dürfen, wie dies in früheren Ausgaben zum Teil geschehen ist. Der Solopart ist zweifellos ein Höhepunkt der Clarinblastechnik auf dem Horn. Dass dieses Werk im böhmisch-sächsischen Grenzgebiet gefunden wurde, ist kaum Zufall. In Böhmen soll ja die Kultur des künstlerischen Waldhornblasens überhaupt ihren Anfang genommen haben, und aus der legendären Schule der Dresdner Hofhornisten gingen einige der bedeutendsten Virtuosen aller Zeiten hervor, so Anton Joseph Hampel und Jan Václav Stich-Punto. Ob Neruda sein Hornkonzert  vor  oder  während  seiner  Dresdner  Anstellung schrieb, ist beim heutigen Wissensstand nicht sicher abzuklären. Der Fundort des Manuskripts legt jedoch nahe, dass das Werk für das Kloster Ossegg bestimmt war. Dieses wichtige böhmische Musikzentrum unterhielt ein eigenes Orchester, in dessen Instrumentarium schon 1706 zwei Litui vulgo Waldhörner inventarisiert waren.

Das Soloinstrument
Neruda schrieb dieses Konzert für das ventillose Naturhorn (corno da caccia) in tief Es und setzte von dessen Tonvorrat nur die hohe lage (sogenannte Clarinlage) ein, vom 8. bis zum 24. Naturton (klingend es' bis b"). Die geforderte Höhe ist erstaunlich, für jene Zeit aber kein Einzelfall. Sie wird auch in Werken von Johann Sebastian Bach, Jan Dismas Zelenka oder Johann Matthias Sperger verlangt. Selbst Trompetenkonzerte erreichten damals den 24. Naturton, z.B. bei Michael Haydn oder Georg von Reutter II (dessen zwei Solokonzerte für Trompete ebenfalls im Verlag mcnaughtan erschienen sind). Überraschenderweise ist die Treffsicherheit in der 5. Naturtonoktave besonders gut, weil dort die Naturtöne eine Art Kontinuum bilden. Übrigens gibt es Hinweise dafür, dass die frühen Hornisten auch als Trompeter ausgebildet waren. Noch 1778 berichtet eine Notiz über den Dresdner Hornisten Hummel, er müsse „bei der Garde die Trompete blasen“.

Für die Wiedergabe auf Ventilinstrumenten bieten sich dem Hornisten heute Diskant- oder Piccolohörner in B/hoch B oder hoch F/hoch B an. Trompeter haben zur Wiedergabe barocker Hornstimmen außer der Trompete schon seit langer Zeit das Bügelhorn oder das Fürst-Pleß-Horn in B verwendet. Eine vierventilige Form des letzteren ist neuerdings unsinnigerweise als corno da caccia oder als Clarinhorn angepriesen worden. Das Pleßhorn, ein zur Familie der Bügelhörner gehörendes volkstümliches Jagdinstrument, ist eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Mit dem corno da caccia und mit dem Clarinblasen hat es ebensowenig zu tun wie die Piccolotrompete mit der Naturtrompete.

Kadenzen
An vier Stellen setzte der Komponist Fermaten, die offensichtlich dem Solisten Gelegenheit zu kadenzartigen Figuren auf einem Dominantorgelpunkt bieten sollten. Die Fermaten stehen notabene stets auf einem Dominant-Einklang der Streicher, nie auf Pausen oder ausgesetzten Quartsextakkorden. Ausladende Kadenzen im Sinne des klassischen Solokonzertes waren deshalb wohl nicht gemeint. Noch 1752 mußten nach Johann Joachim Quantz „die Cadenzen ... für ein Blasinstmment ... in einem Athem gemachet werden können“. Trotzdem haben sich lange Kadenzen zu diesem Konzert in der Praxis längst eingebürgert. Ich habe deshalb sowohl längere als auch kürzere Kadenzvorschläge eingefügt. In den Kadenzen sollten nur Töne verwendet werden, die auf dem originalen Naturhorn spielbar waren.

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