FANTINI/Krüger 18 Sonatas (Organ)


FANTINI/Krüger 18 Sonatas (Organ)

Artikel-Nr.: MN 30100
25,00
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Instrumentation: Trompete und Basso continuo (Organ/Harpsichord, see below)
Umfang: g' - c'''
Difficulty (I-VI): IV
Stimmsatz: Trumpet in C, Orgel/Cembalo
Serie: Edward Tarr Brass
Herausgeberin: Irmtraud Krüger

Nach den neuesten Forschungen von Igino Conforzi1 wurde Girolamo Fantini 1600, möglicherweise am 11. Februar, in Spoleto geboren. Im April 1631 trat er als oberster Trompeter („trombetta maggiore“) in den Dienst des Großherzogs der Toskana, Ferdinando II. (reg. 1621-1670), ein. Bei seiner Anstellung erhielt er eine neue Trompete aus Silber und zwei Fahnen für das Instrument. Immer wieder wurde ihm ein recht gutes monatliches Salär von 10 scudi ausbezahlt (wobei der Organist acht und der Kapellmeister nur sieben bekamen).

Fantini ist vor allem bekannt als Autor einer der ersten Trompetenschulen, Modo per imparare a sonare di tromba, die er 1638 dem Großherzog widmete. Interessant ist die Tatsache, daß Fantini im folgenden Geschäftsjahr 1639-40 ein Bonus von 3 scudi bekam;3 ob ein Zusammenhang mit der Widmung der Schule besteht, bleibe dahingestellt. Jedenfalls enthält diese Schule nicht nur die üblichen Militärsignale, wie die frühere Methode von 1614 von Cesare Bendinelli, sondern anstelle der sog. Sonaten Bendinellis für 5- oder 10stimmiges Trompetenensemble die ersten Werke der Geschichte für Trompete und Tasteninstrument.

Ein historisches Konzert Fantinis in Rom ist überliefert, zwar nicht mit einem Cembalisten, aber immerhin mit dem ruhmreichen Organisten der Peterskirche in Rom, Girolamo Frescobaldi (1583-1643). Zwischen November 1628 und April 1634 war Frescobaldi auch in toskanischen Diensten gewesen7, wo er wohl den jüngeren Fantini wird kennengelernt haben. In der Jahresmitte 16348 ließ sich Fantini zusammen mit Frescobaldi, der die Orgel des Kardinals Borghese spielte, in einem öffentlichen Konzert hören. Es wurde in einem darüber verfaßten Notiz sogar berichtet, daß er dabei alle chromatischen Töne auf der Trompete erzeugt haben soll, nicht nur die der Naturtonreihe; aber anwesende französische Trompeter bemängelten den gekünstelten, unechten Klang gerade dieser instrumentenfremden Töne9. Wie dem auch sei, es ist bestimmt nicht abwegig zu denken, daß bei diesem historischen Konzert Werke aus Fantinis eigener Feder erklangen. Werke Frescobaldis für Trompete und Basso continuo, falls es je welche gab, sind nicht erhalten.

Die vorliegende Ausgabe enthält alle diejenigen Werke aus der Fantini-Schule, die den Titel „Sonata“ tragen, insgesamt achtzehn. In acht dieser Werke ist die Orgel ausdrücklich als Begleitinstrument erwähnt, während das Begleitinstrument in den zehn restlichen Sonaten nicht näher bezeichnet wird, es wird sich wohl um das Cembalo handeln. Unsere Realisierung berücksichtigt die Eigenart dieser beiden Instrumente. Die Sonaten sind hier in der Ausgabe durchnumeriert, angefangen mit den Sonaten für Trompete und Orgel, da die erste davon „Prima Sonata“ heißt.

Man soll zu diesem frühen Zeitpunkt unter dem Begriff „Sonata“ keine großangelegte Form erwarten. Die vorliegenden Werke sind einsätzig, wobei diejenigen mit Orgelbegleitung etwas umfangreicher sind, als die anderen, und oft aus drei Teilen bestehen. Der Gehalt der mit Cembalo zu begleitenden Sonaten ist eher leichtgewichtig und manchmal volksliedhaft oder keck (Sonate Nr. 12), wobei einige von ihnen mit einem insistierenden Baß auf c an Prozessionsmusiken der Trompeterkorps oder an die damals beliebten Orgel-Battaglien erinnern (Sonaten Nr. 14, 15 und 17). Eine Battaglia-Erinnerung ist auch in der 8. Sonate für Trompete und Orgel zu finden, ansonsten sind die Werke mit Orgelbegleitung etwas freier komponiert und scheinen eher in der Kirche beheimatet zu sein.

Diese Werke sind nicht für eine Ausführung mit einem baßverstärkenden Instrument wie Violoncello, Viola da gamba oder dergl. gedacht worden, weil die Baßlinie die Melodie zwar unterstützt, aber kaum eine zweite Melodielinie im Sinne des Dialogisierens bildet.
Was die 10 Sonaten mit unbestimmtem Begleitinstrument betrifft, so ist man natürlich frei, sich die Begleitung nicht nur durch das Cembalo vorzustellen, sondern auch von einer Reihe von Instrumenten entweder allein oder zusammen: Cembali, Orgeln, Regalen und Mitgliedern der Lautenfamilie (Theorbe, Chittarrone).
Bei den 10 Sonaten mit Cembalobegleitung, wenn man sich für diese Art von Begleitung entschieden hat, könnte man an Fantinis Titelblatt denken und die Trompete mit einem Dämpfer versehen. Bei historischen Blechblasinstrumenten hat das Einführen eines Dämpfers eine Transponierung um einen Ganzton nach oben zur Folge, also könnten diese 10 Sonaten in D-dur statt C-dur erklingen.

 

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